PsychotherapeutInnen und TherapeutInnen: Aufruf zum Handeln gegen Trump und „Trumpismus“

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Zur Einstimmung: Reinhard Mey, Das Narrenschiff
https://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg

Als Therapeuten im Bereich der traumatischen Belastungen sehen wir einzelne Menschen, deren Erlebnisse und deren Leid in einen Zustand münden, den sie selbst nicht mehr bewältigen und aushalten können oder wollen. Sie sind zunächst einmal Opfer, Opfer unterschiedlichster Erfahrungen von Gewalt oder Vernachlässigung. Oft braucht es jahrelange intensive Arbeit, das Seelengefüge dieser Menschen wieder in eine bessere Ordnung zu bringen und die alten Lasten einigermaßen zu entlassen, um so ein normaleres und freieres Leben zu ermöglichen.

Diese Menschen sind die Ausnahmen, oft auch die stärkeren unter den Opfern, denn die meisten Opfer von Gewalt versuchen lebenslang ohne Behandlung ihre Existenz zu bestreiten, werden oft selbst wieder Täter gegenüber anderen, so dass die Gewalt weitergegeben wird. Oder sie sind eine Belastung nicht nur für sich, sondern durch Depressionen, Angststörungen, somatische Störungen, eine Vielzahl von körperlichen Krankheiten auch für ihre Umgebung, bis hin zu Drogensucht, oder gar Suizid, und schlicht durch die Unfähigkeit, emotional frei und lebendig in Beziehung zu ihren Mitmenschen zu stehen.

Der Blick auf die vielen einzelnen Menschen, die nicht in ihrer Kraft, Lebendigkeit und Kreativität stehen, deren Störungsmuster für sie selbst wie für ihre Familien und Freunde unmessbares Leid hervorbringen, führt irgendwann dazu zu sehen, dass Gewalt und Trauma nicht isolierte Einzelfälle sind, sondern auch ein normaler Bestandteil der Gesellschaft und sogar der gesellschaftlichen Strukturen und Rahmenbedingungen. Wieviel Gewalt etwa ist von der Umsetzung der Hartz-IV-Gesetzgebung erzeugt worden, Entwertung, Entrechtung, Demütigung, die sich oft tief in die Seelen der betreffenden Menschen hineinsetzen.

Daher wäre es verantwortungslos, nur auf die Patienten zu schauen. Aus dem vertieften Verständnis der Traumaforschung und -arbeit entsteht eine Verantwortung, sich auch gesellschaftlich zu Wort zu melden, einen Standpunkt einzunehmen, für Regeln und Rahmenbedingungen einzutreten, die Leid und Gewalt abbauen und stattdessen die Menschlichkeit und ein gutes Miteinander, eine Wertschätzung den Bürgern gegenüber und der Menschen für sich selbst möglich machen und unterstützen. Denn die Gesellschaft in ihrer Struktur und ihrem Verhalten legt in vielem an, wie viele Menschen traumatisiert, von ihrem Schicksal überwältigt und letztlich oft auch entmenschlicht werden. Trauma zu verhindern ist wesentlich leichter, billiger und im Ergebnis viel effektiver als Trauma zu behandeln.

In unserer Realität heute geschieht jedoch das Gegenteil. Der amerikanische Präsident, Donald Trump, selbst offensichtlich tiefgreifend gestört und beschädigt in seiner psychischen Struktur, hat bereits nach einer Woche Präsidentschaft gezeigt, was auch vorweg zu erwarten war: er handelt aus einer völligen Gleichgültigkeit gegenüber Regeln des demokratischen Miteinanders, er ist bereit, die demokratische Grundordnung, die uns allen ein geordnetes und weitgehend sicheres Leben ermöglicht, zu zerbrechen, um eine Autokratie herzustellen. Dazu baut er eine scheinbare Berechtigung auf, indem er sich als direkter Vertreter des Volkes darstellt und somit die demokratischen Institutionen umgeht und entwertet. Psychiatrische Gutachter ordnen ihn auf einer Psychopathie-Skala zwischen Idi Amin und Adolf Hitler ein. Darauf ergibt sich ein Bild seiner Psyche, das nicht zu vergleichen ist mit der eines normalen, durchschnittlichen Menschen, wie wir sie im gewöhnlichen Miteinander gewohnt sind. Es lässt vielmehr extremes Verhalten erwarten, ohne Moral und ohne Verständnis dessen, was sein Handeln für die anderen Menschen bedeutet. Diese Diagnose stellt dar, dass ihm das Schicksal anderer Menschen vollkommen gleichgültig ist, er hat weder Mitgefühl noch Einfühlungsvermögen, noch wird er von der Vernunft gesteuert, sondern von starken, tiefliegenden psychischen Konflikten, die unter anderem um seinen Selbstwert und seine Not, großartig zu sein, kreisen. Seine emotionale Reife - und seine Fähigkeit, etwa seine Wutanfälle zu kontrollieren, liegt teilweise im Bereich eines Vierjährigen.

Er kennt keine Werte und keine Grenzen. Menschen sind ihm, aufgrund der Natur seiner Psyche, keine Menschen, sondern Helfer und Unterstützer, wenn sie sich seinen Forderungen und Vorstellungen fügen, oder gleichgültiges Material, oder Gegner, und diese gilt es  zu zerstören. Er ist geschickt im Gebrauch von Manipulation und Lüge, ihm selbst erscheint sein Lügen nicht als solches. Das Maß der Gewalt, zu der Trump bereit und in der Lage ist, kennt keine Grenze. Er hat das Potential und die Ambitionen, der Hitler unserer Tage zu werden.

Trump ein Narzisst und Psychopath (englisch):
http://www.inquisitr.com/3497058/did-donald-trump-paraphrase-hitlers-slogan-ein-volk-ein-reich-ein-fuhrer-at-values-voters-summit/

http://www.telegraph.co.uk/science/2016/08/22/donald-trump-outscores-hitler-on-psychopathic-traits-test-claims/

Präsident Trump ist daher keine amerikanische Frage. Seine Präsidentschaft ist eine existentielle Frage für die Menschheit. Wenn Trump die Vorreiternation, die Leitkultur des westlichen Kulturraumes in eine Diktatur umwandelt, die mit Macht und Gewalt die Welt in ihrem Sinne benutzt, dann ist in vielfältiger, noch gar nicht einschätzbarer Weise auch unsere Existenz real gefährdet. Ob die demokratischen Regulatorien in den USA halten werden gegenüber einem rücksichtslosen und gewaltbereiten Psychopathen ist fraglich. Das beinhaltet die sehr reale Möglichkeit, dass auch in Deutschland wieder ein totalitäres Regime die Menschen in ähnlicher Weise unterdrückt und beherrscht wie etwas heute in China und inzwischen auch der Türkei, oder wie im Dritten Reich. Die AfD bietet sich Trump in ihren Sympathien bereits als Vasall an und ist im politischen Aufwind.

Ebenso ist auch ein Handelskrieg und ein Zerbrechen der Europäischen Gemeinschaft realistisch. Europa ist bereits zu groß geworden, um in Bezug auf die Grundwerte noch an einem Strang zu ziehen, und zu belastet, um weitere Belastungsproben zu überstehen. Ein Zerbrechen aber würde die einzelnen Staaten, bei aller Kritik an der Europäischen Gemeinschaft, schwach und angreifbar zurücklassen.

Diese Szenarien sind aber fast bedeutungslos im Vergleich zu der Bedrohung, die entsteht, wenn der weltweite Klimawandel durch die Anti-Öko-Politik Trumps befeuert wird.

Ebenfalls im Bereich beängstigender Wahrscheinlichkeit liegt die Gefahr eines atomaren Konfliktes. Selbst wenn dieser lokal begrenzt wäre, würde der nukleare Winter unsere Welt zerstören, und kaum jemand von uns hätte eine reale Chance, Jahre der Dunkelheit und des Hungers zu überleben.

Menschen sind so gebaut, dass sie Dinge, die sie nicht kennen und nicht erlebt haben, letztlich auch nicht begreifen können, und Dinge, die zu bedrohlich sind, und auf die sie keinen Einfluss erleben, zu leugnen oder in ihrer Bedeutung abzuschwächen. Daher sind TherapeutInnen im Bereich der Traumatherapie vielleicht besonders geeignet, die Gefahr zu benennen, die von Trump ausgeht, und letztlich auch von dem gesellschaftlichen Wandel, der ihn überhaupt erst in diese Position gehoben hat, eine Gefahr, die jenseits der normalen Vorstellungskraft liegt. TherapeutInnen sind durch ihre Patienten vertraut mit vielen Formen von Entmenschlichung und Verbrechen an der Menschlichkeit, von Verhalten weitab der Normalität und Vernunft. Wir können uns notwendigerweise Dinge vorstellen - und wiedererkennen - die Menschen ohne solchen Hintergrund völlig überfordern würden oder auch einfach unvorstellbar sind - trotzdem aber real existieren.

Bereits jetzt ist durch Trumps Handeln und Vorbild so viel Schaden im Gefüge der Menschlichkeit und der freiheitlich-demokratischen Ordnung entstanden, dass wir als therapeutisch Tätige dies in der kommenden Generation nicht aufarbeiten könnten. Wir sind überfordert darin, den Schaden, der hier entsteht, wieder auszugleichen. Möglicherweise stehen wir jedoch erst am Anfang der Zerstörung, wenn wir dem nicht entschieden entgegengehen. Aber gleichzeitig weckt sein Handeln auch die Initiative derjenigen in den USA, in Deutschland und anderswo, die den Wert der Menschlichkeit verstehen und verteidigen wollen. Die aktuelle Entwicklung vermag auch die positiv gestaltenden Kräfte in der Bevölkerung aufzurütteln und wach zu machen für den vielleicht immer neu zu führenden Kampf für eine menschlichere und sichere Welt.  

Einschub: Amerikanische Psychotherapeuten gegen Trumpismus (englisch)
http://citizentherapists.com/manifesto/
http://www.politico.com/magazine/story/2016/10/donald-trump-2016-therapists-214333

Nach vielen Generationen von Menschen, die sich um Verbesserung der Lebensbedingungen und für die Freiheit und Sicherheit des einzelnen Menschen gekämpft haben, sind nun wir in der geschichtlichen Verantwortung, für unsere Kultur und für die Menschen eine Zukunft zu schaffen. Der Appell ist daher der, dass jeder von uns das ihm mögliche tut, die Präsidentschaft von Donald Trump zu untergraben, die Kräfte der Protestbewegungen in den USA zu unterstützen, die Werte, die uns Menschen menschlich machen und unser Zusammenleben ermöglichen, neu zu reflektieren, zu diskutieren, ihre Umsetzung anzustreben und auch auf gesellschaftlicher Ebene für ihre Durchsetzung zu kämpfen - ohne in jenen polarisierenden, und damit zerstörerischen, Stil der Gewalt zu geraten, wie etwa Trumps Polemik ihn nahelegt, und mit dem in Deutschland etwa die AfD versucht, die niedrigen Instinkte der Menschen zu aktivieren. Dafür braucht es Klarheit, Inititative, Zielgerichtetheit und Ausdauer.

Zur Inspiration: WDR-5-Tischgespräch mit Hardy Krüger in der Mediathek:
http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-tischgespraech/audio-schauspieler-hardy-krueger-100.html

Um Weiterverbreitung wird gebeten, Publikation ist willkommen!

Autor:
Harald Eisenberg, Heilpraktiker (Psychotherapie)

Mitunterzeichner:
Heike Sunny Leopold, Heilpraktikerin (Psychotherapie)
Ralph Zurhelle, Arzt
Katrin Windgassen, Heilpraktikerin
Hannelore Eisenberg, Heilpraktikerin (Psychotherapie)
Radimé Farhumand, Ärztin 
Bärbel Wegener, Diplom-Psychologin
Waltraud Gompelmann, Heilpraktikerin (Psychotherapie)
Monika Wolfrum, Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Mitzeichner bitte Nachricht an info(at)traumatherapie-ruhr.de

- zuletzt aktualisiert am 05.03.2017 -

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